Erinnerungen an die Schul- und Kinderzeit um 1950 – 60

Erinnerungen an die Schul- und Kinderzeit um 1950 – 60

von Ingo Pape 11/2018

Donnerstags fährt hier schon früh am Morgen der Besenwagen, so etwas gab es früher bei uns noch nicht. Damals wurde der Rinnstein noch saubergemacht und gefegt. An den Samstagen wurden unbefestigte Hofflächen und Bürgersteige noch geharkt und gefegt. Der Fußweg war natürlich Unkrautfrei und zu besonderen Anlässen harkte man ein Zick-Zack-Muster in die festen Vorhöfe und Wege. Die großen ungepflasterten Flächen waren Spielplätze und überhäuft mit Kippel-Kappel-Löchern und Hüpfkastenmustern für die Mädchen. So auch auf den Schulhöfen bei Dürre und auf dem Domplatz.

In der Herbstzeit brachte jedermann Brennmaterial für den Winter ein. Kohlenhändler gab es genügend. Dittmer, Teermanns Robert und der Genossenschaftsschuppen. Größere Mengen für die Zentralheizung wurden eingekellert. Der Kohlenhändler oder ein Trecker mit Anhänger kam auf den Hof und die Kohlen wurden in der Nähe des Kellerlochs abgekippt. Dann hatten die Kinder viel zu schaufeln, Es gab Kocks oder Eierkohlen aber auch Brikett, diese wurden gestapelt. Nach getaner Arbeit sahen wir aus wie Bergarbeiter, oder wie die Neger, so sagte man damals. Aus Marxen (Bild) wurden ganze Wagen voll geholt mit Trecker und davor mit Pferd und Wagen herangeschafft. Gastwirt Meyer hatte am Bahnhof eine große Bodenwaage für die Anhängerdirekt daneben stand das Wiegehäuschen. Hier erhielt man einen Pappstreifen mit dem tatsächlichen Gewicht. Gewerbetreibende und Großabnehmer holten also direkt vom Bahnhof in Maxen, am äußern Bahngleis wurde beladen mit Förderband oder auch mühsam von Hand. Auf einer Mulden-Kippwaage wurde Sackware abgefüllt und auf die Wagen gestellt.

Diese teils ausgemusterten Kartoffelsäcke wurden gelagert und auf Bestellung in die Keller verbracht, dazu hatten die Träger einen Sack zu einer Kapuze geformt, der lang am Rücken den Staub abfing (wie bei der Kartoffelernte) Die Keller waren oft nur über schmale und steile Holz- oder Steintreppen zu erreichen.

Neben den Stubenöfen, Küchenherd oder Waschkesselöfen standen die verschiedensten Kohlebehälter mit Griffbügel zum besseren schütten in die teils kleinen Öffnungen. In der Schule hatten wir Ofendienst und mussten für volle Kisten und Kohlenbehälter sorgen. Holzheizungen gab es natürlich auch, aber Kamine wie heute nicht gerade viel. Als Kinder holten wir Sägespäne von Rudolf Jobmanns Zimmerplatz in Säcken oder Dünger- oder Futtermitteltüten. Diese schüttete man dann in Kisten zur Lagerung. Gute Buchenspäne nahm man zum Räuchern; denn in vielen Häusern wurde noch selbst geräuchert, vom Schinken bis zu den verschiedenen Wurstsorten. Außen wurde ein Rauchzettel angebracht und somit Kontrolle für die Räucherzeiten zu überwachen. Für die Küchen- und Kachelöfen zum Anheizen benutzte man Buschholz. Ein besonderes Ereignis stand an wenn der „Buschhacker“ angesagt war. Riesige Buschberge wurden auf die Höfe gestapelt. Hier bauten wir natürlich Höhlen und spielten Verstecken. Es konnte gar nicht lange genug dauern bis der Buschhacker aus Scharmbeck kam. Dann war der Spaß vorbei. Mit gewaltiger Kraft und viel Lärm wurde Buschholz gemacht und möglichst dicht an den Lagerschuppen geschleudert. Hier standen eine Anzahl Kiepen und Forken zum Einschaufeln. Damit der Weg ins Haus leichter war waren die Kiepen mit Griffen ausgestattet. In jeder Küche stand früher eine Holzkiste für diese Zwecke. Teilweise sieht man sie noch heute. Alle Sorten, dem Platz entsprechend groß oder klein. Öffnete man den Holzdeckel, waren dort Buschholz, Holzscheite und Kiehnholz. Aber auch Papier zum Anheizen. Das mussten wir schneiden, durften gleich für zwei Haushalte, aber auch für das Plumpsklo musste ein gewisser Vorrat geschnitten sein, so zu sagen für hinterlistige Zwecke.

Dieses war der wärmste Platz im ganzen Haus und oft auch Stammplatz für den Hausherrn, Opa, Oma oder wer sonst privilegiert war. Heute wird die Kaffeemaschine auf Knopfdruck eingeschaltet, so musste man früher noch erst den Herd anheizen und wenn der Wasserkocher pfiff wurde der Kaffee aufgegossen.

In der Woche gab es Muggefuck (Bonisto oder Kornfrank), Samstags Karo und Sonntags Bohnenkaffee.  Muggefuck ist franz. für falscher Kaffee. Getreidekaffee Kaffeersatz.

Zurück zur Holzkiste:

Über dieser Kiste war oft auch ein Handtuchhalter angebracht mit einem Paradetuch davor. Dahinter waren Gruben-, Leinen- und Baumwollhandtücher, aber auch Geschirrtücher. Auf der Ablage fand man immer, sicher vor Kinderhand geschützt, Streichhölzer oder auch die Zigaretten oder eine Zigarre.

In der Waschküche die meist der Küche vorgelagert war, ist eine meist gemauerte Waschgelegenheit für Milchgeschirr gewesen, dort war dann auch die erste Handwäsche in einer Emailleschüssel, daneben lag ein Bimmstein, ein Stück Kern- und auch Sandseife und eine Handbürste zur Grobreinigung, bevor man in die Küche trat. Neben der Waschschüssel war ein Rollhandtuch angebracht, etwa 3 m lang und 50 cm breit, auf einer Holzrolle. Es sah nicht gerade lecker aus, war dafür aber sehr praktisch.

IPR

 

Waschbecken in der Waschküche

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