Luftangriffe von Januar bis Mai 1945

Luftangriffe von Januar bis Mai 1945

Aufzeichnungen einer jungen Schülerin aus dem Ramelsloher Klinken

In meinem letzten Beitrag aus der Zeit vor 65Jahren, möchte ich den Zeitraum von Januar bis Mai 1945 beleuchten. Irmgard Bostelmann geb. Heick, wohnte im Klinken, sie war gerade 14 Jahre alt, als sie alle Luftangriffe in einem Schulheft protokollarisch aufschrieb. Nach der Durchsicht dieser Arbeit wurde mir klar, welch ungeheure Belastung diese vielen Alarme für die Bevölkerung gewesen sein muss. Die Luftangriffe der Engländer kamen meistens über die Deutsche Bucht Richtung Hamburg. Alarm wurde angekündigt auch wenn nur ein Überflug erfolgte über z.B. Richtung Berlin. Der Voralarm war Sirenengeheul 3x, dann kam der Voralarm 5x und früher oder später dann Entwarnung 1x lang. Aus den Aufzeichnungen liest man auch die ständige Angst der Menschen um die Großstädte herum.

Silvester 1944 begannen die Eintragungen mit einem Angriff auf Hamburg am 1.1.1945 war 5x Alarm. Flugzeugabsturz bei Freschenhausen, sogar ein Fallschirmabstieg über Horst konnte man beobachten.

Am 2.1. Mittags 2x Vollalarm, abends Vollalarm mit Verbandschneller Kampfflugzeuge, kein Bombenangriff auf Hamburg. Diese Informationen erhielt Irmgard dann aus dem Radio, und trug sie dann in ihr Heft ein. Den ganzen Januar gab es keinen Tag ohne Alarm bei Tag und in der Nacht. Die Zeiträume zwischen dem Vollalarm und der Entwarnung waren sehr Unterschiedlich, so wurde es auch schon wieder Routine, und der Leichtsinn schlich sich ein. Immer wieder mussten Kinder verwarnt werden die Schutzräume (Keller) aufzusuchen. Im Februar war den Aufzeichnungen zu Folge nur an 4 Tagen kein Alarm. Ein Beispiel: 21 Uhr Voralarm, 21.10 Vollalarm und 21.40 Entwarnung. 22.45 Voralarm 22.55 Vollalarm und erst 0.35 Entwarnung. Auch tagsüber war immer wieder Sirenengeheul. Die meisten Kinder brauchten nicht zur Schule; denn auch Tiefflieger als Vorboten der Alliierten-Bodentruppen, machten die Gegend um Hamburg unsicher. Geschossen wurde auf alles was sich bewegte auf dem Feld oder auf den Straßen.

Zu den Randbemerkungen der Aufzeichnungen: Am 15.2. steht 7 Flüchtlinge aufgenommen, die dann zwei Tage später nach Harmstorf umquartiert wurden. Am 18.2. erneut 4 Flüchtlinge aufgenommen.

  1. März, im Kleberland sind zwei Bomben gefallen. 31.März, in Lindhorst war ein Flieger abgestürzt, wieder landete die Besatzung Richtung Horst/Maschen / Maschen mit dem Fallschirm. Aus dem Klinken war es sehr gut zu sehen, auch die Tannenbäume des Nachts über Hamburg. Dann der Eintrag: Großer Feuerball über Hamburg am 29.3. Auch ganz in der Nähe gab es 11 Einschläge in unserer Gemarkung. Am 11.4., die war zwar kein Alarm, doch den ganzen Tag über Tiefflieger.

Die ganze Woche setzte sich dieser Zustand fort. Der Einmarsch der Engländer erfolgte am 19.4. Von Bendestorf aus schossen englische Panzer Granaten auf die Stellung Ramelsloh. Etwa 15 Panzer und Spähwagen fuhren am Haus vorbei in Richtung Maschen. Eine Batterie in Helmstorf hatte die Windmühle Katzenberg in Brand geschossen, die Flammen konnte man von hier aus sehen. Am 21.4. konnte man sogar einen Luftkampf der Jagdflugzeuge beobachten. Am 26.4. gab es einen Todesfall und zwei Verletzte nach einem Bombenangriff in Horst.

Es war entsetzlich ruhig als plötzlich nach dem Waffenstillstand die Sirenen schwiegen. Des Nachts konnte wieder durchgeschlafen werden. Es war eine Ruhe, die zunächst etwas unheimlich war, nach all den vielen Jahren.

Ein wichtiger Eintrag auf einen Zettel im Anhang: 1944, 4/5. August Angriff auf Harburg. Montag 30. Okt. bei der Windmühle und weitere in der Nähe der Stellung. Sonnabend 11. NovemberFlugzeugabsturz auf dem Hassel.

Dank an Irmgard Bostelmann für die Einsicht in das wertvolle Material.

 

IPR

Dieser Beitrag wurde unter 09 - Nachkriegsgeschichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.