Olympiade des kleinen Mannes !

Olympia 2012  –  „Dabeisein ist (war) Alles“

 

Die 30. Olympischen Spiele in London sind eröffnet und ein Riesenspektakel in den Medien. Die Olympiade des „kleinen Mannes“ habe ich einmal nachgelesen in alten MTV Protokollen. Von gemeinsamen Sportfesten in den Nachbarorten ist die Rede. So gab es Wettbewerbe im Tauziehen für Männer und Frauen, es wurde mit dem Schleuderball geworfen und Korb-und Völkerball gespielt. 1925 gab es 3-, 5- und 10- Kampf. Erich Eddelbüttel wurde 6. im Steinstoßen 15 Kg, .1. Sieger des Hünen E. Heideck mit 34 Hebungen von 35 Kg. Der Umzug durch das Dorf war sozusagen die Eröffnungsfeier, marschierte man zur Musik von mehreren Spielmannszügen, Mädchen in langen weißen, wehenden Kleidern mit dem Emblem des jeweiligen Vereins.  Wilhelm Rieckmann sen. schrieb in Protokollen: Schon in den zwanziger Jahren wurden jährliche Kreisportfeste durchgeführt.

Die Unterbringung der Athleten überließ man dem Veranstalter mit Kost und Logis. Verbunden mit einem großen Umzug durch den Ort, einem „Bunten Rasen“ mit Volkstanzgruppen und gymnastischen Darbietungen. Es folgte die Siegerehrung, statt Medaillen gab es  echte Eichenkränzen in versch. Größen. Die Wettkämpfe waren für heutige Verhältnisse ungewöhnlich aber durchaus olympisch. Es gab 10 und 12Kämpfe aber auch leichtathletische Einzelwettbewerbe. „Ich war damals in Topform“, berichtet W. Rieckmann. So wurde ich 1931/32 in Pattensen  1. Kreismeister im 12 Kampf. Einige Ergebnisse : Hochsprung 1.55 m, Weitsprung 6.19 m und 100 m Lauf in 11,7 Sek.

Nach der Machtübernahme 1933 wurde es schwer für die Turnvereine, und so leitete er ab 1934 die Wehrsportgruppe der SA. Bei einem Großsportfest der SA in Harburg konnte ich in diesem Jahr einen sensationellen 1. Sieg im 12Kampf erringen. In den Turnvereinen passte man sich an, nahm ein gemeinsames Lied mit in die Tagesordnung auf und beendete die Sitzung mit einem Führergruß. Den Anforderungen der HJ-Führung passte man sich gezwungener Maßen an.

Soweit Wilhelm  Rieckmann sen. (Bild)

Die Zusammenarbeit mit der Partei, Gemeinde und Verein hatte auch erfolgreiche Arbeit gebracht.  So entstand ein vorbildlicher Badeteich, wo die neugegründete Schwimmabteilung von Otto Cordes sen. ihre Wettkämpfe ausrichten konnte. So ist auch von Kreiswettbewerben im Hoopter Hafen und Tönnhausen die Rede. Der Sport in den Kriegsjahren wurde eher vernachlässigt. Aber gleich danach begannen die Aktivitäten neu und Turnen und Gymnastik und Fußball waren angesagt. Improvisieren konnte man gewaltig und so entstanden Sportstätten an vielen Stellen.

In den 50er Jahren waren die Schulhöfe unsere Kampfstätten, auf festem Sand war die 50 m Bahn, und mit einem Stock schrieb man die Weiten für den Schlagballwurf. Unsere Sprunggrube war eine umfunktionierte Sandkiste auf dem heutigen Grundstück von Bodo Rick. Sensengemähte Anlaufbahn, so begann unsere Sommersaison mit der Vorbereitung auf die Bundesjugendspiele. Eine Stoppzeit wurde gemessen, die zweiten bis fünften  Plätze geschätzt. Diese Zustände herrschten auch in Ohlendorf und so entschieden Herr Grethe und Herr Kage mit dem Rad nach Brackel zu fahren, um dort die gepflegten Sportstätten zu nutzen. Es gab kleine und große Urkunden, die Zeiten und Weiten korrekt aufgeführt. Gemeinsame Sportfeste mit Hanstedt, Marxen, Brackel und Ramelsloh waren der Renner in den 70er und 80er Jahren. Die Leichtathletik – Gemeinschaften wurden zu Stützpunkten organisiert, und so wurden die gemeinsamen Feste immer weniger. Heute sind die Vereine als Anbieter von Sportabzeichen gefragt und aktiv. So ändern sich die Zeiten, aber „Dabeisein ist Alles“!

IPR

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