Poststellen in Ramelsloh

Die  „Poststellen“  in Ramelsloh

 Seit alters her war die Post im Hause des Posthalters untergebracht, so auch beim Vater von Herrn Schwarzkopf, Ernst Schwarzkopf sen., der zugleich Bäckermeister, Gastwirt (vom heutigen Ramelsloher Hof) und Posthalter war und daneben noch eine kleine Landwirtschaft betrieb. Das Postamt war in der Schwarzkopfschen Stube untergebracht. Am Fenster stand ein Schreibtisch, auf dem die Post verteilt und die Ein- und Auszahlungsbelege geschrieben wurden. An der Rückwand lud ein Sofa mit dem Bilde einer Waldlandschaft darüber zum Mittagsschläfchen ein. An der Wand neben der Tür hing der öffentliche Fernsprecher.Frau Magda Schwarzkopf, von ihrem Mann unterstützt, war Posthalterin und Herr Bleich der Briefträger.

In der großen Wirtschaftskrise zu Anfang der dreißiger Jahre aber mussten Gasthaus und Landwirtschaft verkauft werden und Ehepaar Ernst und Magda Schwarzkopf kaufte vom pensionierten Postbeamten, und damaligen Briefträger, Heinrich Schütt das kleine „Schütt-Huus“ gegenüber von Willi Landahl in der Engen Straße. Hier sollte dann auch das Postamt Platz finden.

Von 1907 bis 1946 war Karl Soetebeer, der Vater von Karl-Heinz Soetebeer „Postschaffner“, wie die Briefträger damals genannt wurden. Er war aus dem Lüneburgischen gekommen, wo er den Hof von seiner 20 Jahre älteren Schwester hatte übernehmen sollen. Aber Karl Soetebeer wollte nicht Bauer werden. Er lief von zu Hause weg und fand Arbeit bei der Post, die ihn nach Ramelsloh schickte. Zu dieser Zeit war dort noch die Postagentur für die Dörfer Ramelsloh, Ohlendorf, Holtorfsloh und Horst und vier Postschaffner trugen auf Fahrrädern die Post aus. Zunächst aber mussten die Sendungen vom Bahnhof in Marxen, später dann von Harmstorf abgeholt werden – natürlich auch mit dem Fahrrad. Erst in den dreißiger Jahren kam die „Landverkraftung“ (1927), d.h. Kraftfahrzeuge brachten die Post zu den Postagenturen in die Dörfer.

In den Jahren 1923/1924 konnte Karl Soetebeer sich am Badeteich ein eigenes Haus bauen. Herr Bleich wurde der Nachfolger von Karl Soetebeer. Wie dieser trug er Tag für Tag, Sommers wie Winters, auf dem Fahrrad die Post aus bis zu den entlegensten Höfen. Das war bei Wind und Wetter, bei Frost und hohem Schnee eine anstrengende Tour und in der Weihnachtszeit wollte der Berg von Postsendungen kaum abnehmen. Da war es gut, dass es unterwegs auch ´mal einen Korn zum Aufwärmen oder eine andere Stärkung gab. Aber das Fahrrad fuhr immer geradewegs weiter und jeder bekam pünktlich seine Briefe und Pakete. Mit dem schnell wachsenden Landhausbaugebiet wurde allerdings die Menge der Postsendungen immer größer; deshalb kam dann Frau Hildebrandt als Zustellerin hinzu und übernahm einen Teil der Tour. Familie Bleich gehörte zu den vielen Flüchtlingen, die am Ende des Krieges und kurz danach nach Ramelsloh gekommen waren. Otto Bleich wurde am 21. November 1912 in Osterbitz im Kreis Briesen geboren und ging, nachdem er zunächst auf dem elterlichen Hof gearbeitet hatte, 1934 zur Post.

Nach diversen Kriegsdiensten und Verwundungen fand er zunächst keine Stelle bei der Post und arbeitete in einer Papierfabrik. Im November 1945 war die Familie wieder zusammen in Harmstorf und Otto Bleich fand wieder eine Anstellung bei der Post in Hittfeld, bis er 1946 nach Ramelsloh versetzt wurde und die Stelle des in Pension gehenden Karl Soetebeer übernahm. Familie Bleich wohnte zunächst bei Heick im Klinken, danach bei Wöhling, bis sie es 1954 wagen konnte, ein eigenes Haus zu bauen (Bild 1950 und oben 1981).

Im Jahre 1966 wurde Ilse Mencke Posthalterin und die Ramelsloher Post wurde in das Haus von Horst und Ilse Mencke verlegt. Ilse Mencke, geb. Poppe, ging nach ihrer Entlassung aus der Grundschule zunächst ein Jahr auf die Handelsschule in Harburg und machte danach eine Banklehre bei der Spar- und Darlehnskasse. Nach Abschluss der Lehre arbeitete sie ein Jahr lang in Bispingen und danach in Harburg. Nach Heirat mit dem Klempnermeister Horst Mencke 1960 und Geburt ihrer Tochter Birgit 1963 hörte Ilse Mencke auf, in Harburg zu arbeitenund half nur noch gelegentlich bei der Bank aus, vor allem bei den Arbeiten zum Ultimo. Auf Anraten ihrer Eltern ging sie dann zur Post. Als dann 1964 Frau Schwarzkopf nach einem Schlaganfall arbeitsunfähig geworden war, fragte Herr Bleich Frau Mencke, ob sie nicht die Ramelsloher Poststelle übernehmen wolle. Unter einem Postbeamten, der als Vertreter von Frau Schwarzkopf die Poststelle leitete, wurde sie angelernt. Wegen der Geburt ihres Sohnes Martin 1965 wurde sie dann aber erst 1966 Posthalterin. Ihre gute Ausbildung und ihre Erfahrungen bei der Bank halfen ihr, die verantwortungsvolle Aufgabe zu bewältigen, besonders als das Postbankgeschäft in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung bekam. Die Poststelle kam, wie erwähnt, ins Haus Mencke. In den ersten Jahren war sie in der ehemaligen Stube, nur durch eine Schaltertür vom Hauseingang und Flur getrennt.

Im Flur unter der Treppe war der öffentliche Fernsprecher untergebracht. Dies konnte, schon aus Sicherheitsgründen, nicht auf Dauer so bleiben. Als dann Großmutter Poppe bereit war, ihre Räume links vom Hausflur gegen andere im Haus zu tauschen, wurde die

„Poppes Haus“ ca. 1948
(rechts vom Eingang sind die Kassenräume gewesen)

Poststelle 1977 dorthin verlegt, wo Großvater Poppe schon einmal die Spar- und Darlehnskasse hatte. Es musste dann aber erst einmal ein Anbau für einen separaten Eingang errichtet werden. Die Post sorgte für die Innenausstattung, vor allem für eine schusssichere Schalteranlage und für die Telefonzelle. Für einen niedrigen Mietzins ist die Post nun Mieterin im Hause Mencke. Für Frau Mencke war es sehr praktisch, daß die Poststelle in ihrem Hause war – vor allem in den Jahren, in denen ihre Kinder klein waren und 1968 noch Sohn Joachim geboren wurde. So konnte sie Beruf, Familie und Haushalt zugleich gerecht werden. Ihr machte die Arbeit großen Spaß, denn sie hatte ein gutes Verhältnis zu ihren Kunden und kennt natürlich alle Leute aus dem Dorf persönlich. Mit dem nicht zuletzt durch den Zuzug nach Ramelsloh sehr gestiegenen Postaufkommen ergaben sich in den letzten Jahren manche Veränderungen. Seit 1986 wird die Postverteilung nicht mehr in Ramelsloh, sondern in Maschen und seit dem 1. Okt. 1991 in Meckelfeld vorgenommen. Die Zusteller Hermann Rose, Ute Prawitt und Holger Pett, die noch Ohlendorf und Holtorfsloh mit versorgen, befördern die Post schon lange nicht mehr mit Fahrrädern, sondern holen sie in gelben Postautos ab und fahren sie anschließend aus. Aber trotz dieser aus Rationalisierungsgründen angeblich notwendigen Änderungen ist die Post in Ramelsloh weiterhin eine Stelle, zu der wegen persönlichen Empfang und Beratung gerne gegangen wird.

(Überarbeitete Version von I.Pape, Original einer Niederschrift von Frau Haas aus Ramelsloh)

 

Die Poststelle Ramelsloh wurde  1996  aufgegeben, dann als „Postagentur in Knolles Markt“ bis  Sept. 2005  fortgeführt. Danach war die Postagentur in der Tee-Insel im ehem. Heimtexstudio von Wilhelm Rieckmann jun. bis  31.3.  2007. Die Tee-Insel bestand schon seit 2001 jedoch Hiner den Höllen. Inhaberin war und ist Silvia Inselmann.

Die Tee-Insel zog dann zusammen mit der Postagentur  in die Ohlendorfer Straße, genauer (Osterwald 1-3), neben der Shell-Tankstelle. Dort ist sie bis zum heutigen Tage.

PS: Hermann Rose ist auch schon 40 Jahre im Zustelldienst der Deutschen Post.

Ingo Pape im Febr. 2017

 

 

Dieser Beitrag wurde unter 04 - Handel und Gewerbe veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.