Der alte Glockenturm zu Ramelsloh

Der alte Glockenturm zu Ramelsloh

er wurde um 1600 erbaut

Da steht abseits der Kirche im Schatten einer mächtigen Buche der ehrwürdige Glockenturm. Viele Jahrhunderte ist er alt, und er könnte manches erzählen. Schon in seinem Bau weicht er von anderen Glockentürmen unseres Gebietes ab. Das eigenartige an seiner Konstruktion ist das ziegel­gedeckte mit einem Bleiknopf gekrönte Zeltdach, das nur selten bei ähnlichen alten Türmen vorkommt. Durch die mit schmiedeeisernen Angeln bewährte Tür treten wir in den halbdunklen Raum. Die Augen müssen sich erst an das Zwielicht gewöhnen, um Näheres erkennen zu können. Die gewaltigen roh behauenen, eichenen Balken erregen unser Staunen. Wie für Jahrtausende errichtet und zusammengefügt, so mutet das Balkenwerk an. Nach Urteilen von Fachleuten soll das Gebälk den neuen aus Backsteinen erbauten Turm, der schon arge Verwitterungserscheinungen zeigt, noch überdauern, wenn gleich allerlei Holzwürmer und Schädlinge in den letzten Jahrzehnten einen der tragenden Balken hart mitspielten.

Heute ist der Turm Abstellraum für allerlei Gerät. Vor einem Jahrzehnt fand man in ihm unter allerlei Gerümpel alte Kemorienschilder, die einstmals zum Gedächtnis von Geistlichen des Stiftes in der alten, nun verschwundenen Domkirche, angebracht waren. Auch die schmiedeeiserne Giebelzier mit der kupfernen Kugel, die mehr als 4oo Jahre die Spitze des Chorendes der alten Findlingskirche krönte, die erzählen konnte von Krieg und Kriegsgeschrei, von ver­gangenen Generationen, befand sich leider unbeachtet unter dem Gerumpel.

Um 187o hingen drei Glocken im alten Turm. In der Mitte der Vorderfront befand sich hart unter dem Zeltdach das Schalloch für die große Betglocke. Dahinter hingen noch zwei kleinere. Eine dieser beiden war zersprungen und wurde nicht mehr geläutet. Dem Alter nach zählten beide Glocken zu den ältesten des Landkreises Winsen. Die eine stammte aus dem 14. Jahrhundert die andere aus dem 15. Jahr­hundert. Trat man in den Turm ein, so fielen gleich die gewaltigen und schweren Steingehänge der Turmuhr auf. Heute ist auch diese Uhr verschwunden.

Eine kleine Stiege führte hinauf zur „Glockenstube“. Das Zifferblatt der Uhr befand sich an der linken Seite der Vorderfront, inmitten von altem Efeugerank. Neben der kleinen Treppe, die zum Uhrwerk führte, lag der Aufgang zum Glockenboden. Von hier aus wurden die Glocken mit starken Tauen geläutet. Zwei Mann waren zum Läuten erforderlich. Dreimal führte der Weg des Küsters täglich in den Turm. Am Morgen war das Werk der Uhr aufzuziehen, mittags und abends mußte vom Küster die Betglocke gezogen werden.

Bild: Pape 2012

Früher standen an der rechten Seitenwand des unteren Raumes aufrecht viele zurechtgeschnittene Sargbretter. Sie ge­hörten der Gilde. Die Gilde, auch Kaland genannt, war seit den ältesten Zeiten eine christliche Hilfs- und Notgemein­schaft, der fast alle erwachsenen Einwohner von Ramelsloh angehörten. Sie half nicht nur in Sterbefällen , sondern hat ganz allgemein segensreich für das Dorf gewirkt. Immer wieder erregt der alte, ehrwürdige Glockenturm das Interesse der Wanderer. Leider ist der schöne alte Efeu-stamm an der rechten Turmseite vor 15 Jahren zum Teil eingegangen. Allein dieser Efeustamm war schon der Beach­tung wert. Heute zeigt er sich nicht mehr in seiner einstigen Würdigkeit. Um den alten Turm ranken sich auch alte Ge­schichten, so jene von Otto, dem ältesten Sohn des Stieftsküster, der dort das Gruseln lernte.

Text: unbekannte Herkunft Fotos Ingo Pape

IPR

… die Buche musste weichen !!!  2014

 

 

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