Kirchengem. Ramelsloh Kapitel 2

Kirchengem. Ramelsloh Kapitel 2:  Stiftsprediger Volckmann

Am 11. Januar 1684  wurde die Ramelsloher Gemeinde durch eine fürstliche Verordnung von Pattensen getrennt und mit der Stiftskirche zusammengelegt. Eine Generalvisitation durch den Bardowicker Superintendenten  gibt Aufschluss über die Kirchengemeinde  damals: Im Gottesdienst, der im Sommer um 8.30 Uhr, im Winter um 9 Uhr begann, wurde immer über einen Evangeliumstext gepredigt. Der Pastor hatte „eine angenehme Sprache und beliebte Gaben zu predigen.“ Am Sonntagnachmittag gab es für Kinder und Eltern Katechismusübungen. Auch am Freitag wurde in einer Betstunde gepredigt und Kinderlehre gehalten. Am Sonnabend vor dem Abendmahlsgottesdienst war Beichte, „wobei die Einfältigen in dem Beichtstuhl aus dem Catechismo examiniret“ wurden.

Neugeborene ließ man höchstens vier Tage ungetauft. Bei Trauungen oder Taufen gab es keine großen Festlichkeiten. Fremde ohne gültige Genehmigung wurden nicht getraut, „wie wol dem Pastori einsten 200 Thaler daß ers thun möchte, gebohten worden, er hats aber nicht wollen nehmen“. Das Jahreseinkommen des Pastors betrug damals 300 Thaler. Der Bestechungsversuch für die gewünschte Trauung belief sich also auf zwei Drittel des Jahresgehaltes!

Anders als seine Nachfolger hielt Pastor Volckmann bei allen Beerdigungen eine Predigt. Die Orgel spielte  Lehrer und Küster Adrian Schwarzkopf. Über ihn heißt es: „Er schlägt zwar nach der Tabulatur, den Generalbass aber versteht er nicht.“ Sein Vorgänger hatte für Ärger gesorgt, weil er die Schulkinder seiner Frau überließ und häufig „doll und voll“ war. Im persönlichen Leben erlitt Volckmann viele Schicksalsschläge.  1694 starb seine dritte Frau. Seine erste Frau „hat müßen die Augen zuthun“ bei der Geburt ihres  zweiten Kindes. Die zweite Frau hinterließ ihm ebenfalls zwei Kinder. Vier weitere waren gestorben.  Mit seiner dritten Frau führte Volckmann zwölf Jahre lang „eine vergnügte friedliche und gesegnete Ehe“, aus der fünf Kinder hervorgingen. 1696 heiratete er aufgrund „nahenden gebrechlich Alter und Leibesschwachheit und zu seiner Kinder beßern Erziehung“ eine wohlhabende junge  Lüneburgerin, die 1703 bereits wieder starb.

Volckmann erwies sich als sehr sorgfältiger Pastor. Seine Bemühungen galten sowohl der Verbesserung des Stifts als auch der Gemeinde. Wegen zunehmender Altersschwäche bat er 1708 das Konsistorium in Hannover um Unterstützung im Pfarramt durch einen Adjunkten. Er schlug den Theologiestudenten Franz Wilhelm Lamprecht vor, der sich ihm vorgestellt hatte und hoffte, dass er „mit selbigen in guter Ruhe und Zufriedenheit die noch übrige Zeit meines Lebens, meine Amptsverrichtungen werde fortsetzen können.“

Aus Ruhe und Zufriedenheit wurde aber  nichts. Unter Gerüchten und Querelen leidend, lag Volckmann nach einem Schlaganfall schwermütig im Bett. Zwei Wochen vor seinem Tod ließ er sich  in die Kirche bringen, wo er „seine liebe Gemeinde“ noch einmal segnete.

Am 18. Mai 1709 abends  stand die Familie am Bett des Sterbenden und sang den Choral „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“, während die Betglocke im alten Glockenturm schlug.

Conrad Balthasar Volckmann wurde 73 Jahre alt, war 44 Jahre Pastor gewesen und hatte 13 Kinder sowie 16 Enkelkinder. Seine feierliche Beerdigung fand im Altarraum der Kirche statt.

Wegen seiner Verdienste und Beliebtheit und weil er „aller Falschheit, Heuchelei und Ungerechtigkeit Feind gewesen“ war, hängte man bald nach seinem Tod sein Epitaph in der Kirche auf, das ihn auf seine Gemeinde blickend darstellt.

 

Kapitel 1 – 7 stammen aus der Feder von Sabine Rambow

 

 

 

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