Kirchengem. Ramelsloh Kapitel 1

Kirchengem. Ramelsloh Kapitel 1:  Der Anfang 1684

Zu Beginn der 90er Jahre des 17. Jahrhunderts regnete es viel in Ramelsloh.  Die Ernte verdarb und auch die genossenschaftlich genutzte große Gildewiese an der Seeve brachte ihren Nutznießern nicht das erhoffte Heu.

An einem Tag des Jahres 1694 ritten vier Bauern als Abgesandte des Dorfes Ramelsloh  gemeinsam nach Winsen  um dort Amtmann  Koch für sich zu gewinnen. Auf dem Weg nach Winsen befand sich auch der Stiftslehrer und Vikar Johann Wilhelm Schmidt. Anlass war die turnusmäßige Weitergabe der Gildewiese, weswegen sich das ganze Dorf gegen ihn verbündet hatte. Während Bauern und Bürgermeister  „wegen des schlechten und nassen Gewitters“ die Wiese einfach ein weiteres Jahr behielten, verweigerten sie dem Stiftsvikar dieses Recht.  „Ob wir nun wol nichts mehr als eben solches Recht begeren, hat es uns doch vor der gnädig Baurschaft so gut nicht werden mögen“, beschwerte sich der Stiftslehrer über den fehlenden Gerechtigkeitssinn der Ramelsloher.

“Weil dem nichts weder mit gelinden noch harten Worten bei solchen Herrn zu erhalten war, habe mich entschlossen nach dem Ambte zu Winsen zu gehen, um zu erfaren, ob nicht daselbst ein beßer Recht als zu Ramelslo auf dem Rath-Hause zu finden. Ich wagte ein großes- wann ich daran gedenke möchte mir noch das Grausen ankommen- indem ich  als ein eintziger elend Mann wieder die gantze Dorfschaft und deren 4 wolberittene  Deputirte zu agiren mich unterstünde.“

Über den Ausgang des ungleichen  Streites berichtete Schmidt: „Allein es bestunden solche trotzige Ritter daselbst wie Butter in der Sonnen und wurden elendiglich aus dem Sattel gehoben und gingen zwar zu Pferde doch mit niederhangenden Ohren und gebeugten Köpffe, daß sie kaum einen labetrunck über ihr betrübtes Hertze bringen konten, voll Schimpff und Beängstigung wieder zu Hause.“

Der Amthauptmann sprach die Wiese dem Stiftsvikar ein weiteres Jahr zu und befahl den Ramelslohern die alte Ordnung wieder herzustellen. Kurzerhand  beendete er noch einen weiteren Missbrauch  der ebenfalls genossenschaftlichen Dieckwische, welche die Bauern nach eigener Nutzung eigenmächtig an einquartierte Reiter weitergaben. Dadurch wälzten sie die Einquartierungslast auf das Stift ab.

Die Kirchengemeinde  Ramelsloh war damals gerade zehn Jahre alt und Conrad Balthasar Volckmann ihr erster Pastor. Als Sohn eines „Bürgers und Handelsmannes“ 1635 in Walsrode geboren, hatte er jung und voller Energie seinen Dienst als Stiftsprediger  in Ramelsloh angetreten, zuständig für die etwa 20 Bewohner des Stiftsbezirkes.

Volckmann baute das im 30jährigen Krieg zerstörte Pfarrhaus neu auf, das er 1665 bezog. Er sorgte für Ordnung auf dem Kirchhof und jagte die Schweine fort, die die Gräber zerwühlten. Als erster Pastor begann er das älteste in der Gemeinde vorhandene Kirchenbuch zu führen. Aus eigenen Mitteln errichtete er ein Pfarrwitwenhaus und bezahlte eine siebenstimmige Orgel für die Kirche, die sein Wappen trug. Sein bedeutendstes Verdienst aber bestand im Zusammenschluss von Stifts- und Dorfgemeinde im Jahre 1684, die bis dahin zu Pattensen gehörte, „ohngeachtet der vielen Unkosten, Reisen, Mühe und Verdrießlichkeiten…“, die er dafür auf sich nahm. Sie zehrten auch die Vermögen seiner Frauen auf. Sein eigenes Einkommen lag unter dem Existenzminimum. Nur schwer kam er an die ihm zustehenden Einnahmen. 1698  klagte man z. B.: „Waß sein Meyer zu Ohlendorf betrifft, so ist bis dato noch nicht eine Himte von ihme geliefert worden. Der loße Vogel verursachet viele Verdrießlichkeit.“

Durch den Zusammenschluss von Stifts– und Dorfgemeinde kamen noch etwa 80 Leute aus über 20 Häusern zu seiner  Gemeinde hinzu. Die Ramelsloher dankten ihm seine Bemühungen „vor Gottes Ehre und seiner Kirche besten“ mit regem Gottesdienstbesuch.

 

Kapitel 1 – 7 stammen aus der Feder von Sabine Rambow

 

 

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